Johannes Peschel Zum 90. Geburtstag

Vom 30. Mai bis zum 11. Juli 2021 sind in der Dauerausstellung zu Leben und Werk des Bildhauers Ernst Rietschel fünf Sandsteinskulpturen mit den Titeln „Ringer“, „Büßer“, „Sitzende“, „Gegen den Wind“ und „Löwin mit Jungen“ aus den Jahren 2017 bis 2020 zu sehen.

Johannes Peschel wurde am 2. Juni 1931 in Kamenz geboren und im väterlichen Betrieb nach dem zweiten Weltkrieg zum Steinmetz ausgebildet.

Es schloss sich die Lehre zum Steinbildhauer in derWerkstatt von Werner Hempel in Dresden an. Werner Hempel, selber aus einer Steinmetzfamilie stammend, hatte an der Kunstakademie in Dresden Ende der 20er Jahre des vorigen Jahrhunderts Bildhauerei studiert, war Meisterschüler bei Karl Albiker, anschließend als freischaffender Bildhauer tätig und baute nach Krieg und Gefangenschaft die väterliche Werkstatt in Dresden wieder auf.
Mit seinen Bildhauerlehrlingen und -gesellen begann er in der Zwingerbauhütte die in Trümmern liegende Stadt Dresden wieder aufzubauen. Das Unternehmen existiert noch heute und wird in vierter Generation von Sebastian Hempel geführt. Die Ausbildung bei Werner Hempel führte Johannes Peschel in den Bereich denkmalpfl egerischer Aufgaben ein und ermöglichte ihm von 1953 bis 1958 ein Studium der Bildhauerei an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden. Seine Lehrer waren
Walther Arnold und Hans Steger. Seit 1959 arbeitet Peschel als freischaffender Bildhauer in Dresden.
Er ist mit der Dresdner Künstlerin Eva Peschel verheiratet. Peschels Arbeiten reichen von Kleinplastiken bis zu großformatigen Objekten.

Werkbestimmend als Material war und ist für ihn der Stein in unterschiedlicher Härte und Färbung und die daraus entstandenen Arbeiten zeigen eine große Themenvielfalt. Typische Materialien sind Sandstein, Granit, Porphyr und Marmor.

Atelierhaus der Produktions- genossenschaft „Kunst am Bau“, 1967 (von links nach rechts): Die Künstler Rudolf Sitte, Vinzenz Wanitschke, Karl-Heinz Adler, Dieter Graupner, Siegfried Schade, Johannes Peschel, Egmar Ponndorf und Friedrich Kracht; Foto: Archiv der Genossenschaft Kunst+Bau, Dresden

Ab 1960 wird Johannes Peschel Mitglied der Produktions- genossenschaft „Kunst am Bau“ in Dresden. Die Künstler Rudolf
Sitte und Siegfried Schade hatten die Genossenschaft zweiJahre vorher gegründet. In dieser auch in der DDR einzigartigen Institution wurden über einen Zeitraum vonmehr als dreißig Jahren Kunstwerke und Werke der angewandten Kunst aller Genres geschaffen.
Vielfach auch in Zusammenarbeit mit mehreren Künstlern. Unter
Werkstattbedingungen, die ihnen Raum und Material sicherten,
führten sie Großaufträge im Rahmen des Wohnungsbau-programms aus und wirkten in bildnerisch ästhetischen Formen zurBereicherung der funktionalen, monotonen Massenarchitektur. Johannes Peschels Mitgliedschaft in
der Genossenschaft endete 1999.
Ein Schwerpunkt seines Wirkens waren neben freien Arbeiten immer architekturbezogene Kunstwerke und denkmal- pflegerische Arbeiten. So beteiligte er sich mit Vinzenz Wanitschke beim Wiederaufbau des Dresdner Schlosses und an der Restaurierung des Altars der Frauenkirche.
Zahlreiche Arbeiten des Bildhauers prägen bis heute die Stadtbilder von Dresden, Cottbus und Bautzen. Für seine Geburtsstadt Kamenz schuf er 1979 eine 2,70 m hohe Sandsteinstele mit Reliefs zu Lessings Werken und Zitate daraus. 1998 entstanden nach Entwürfen von Eva Peschel vier
weitere Skulpturen, die mit der Stele ein Ensemble im Lessingpark bilden und bei deren Umsetzung in Sandstein Johannes Peschel seine Frau unterstützte. Johannes Peschel sagt: „Man muss lange schon wissen, welche Figur aus dem Sandstein herauszuholen ist“. Der Kunstfreund und Physiker Dr. Günther Weise schrieb zu Peschels Kunst: „Es ist in Stein gehauene Menschlichkeit als Poesie von Liebe, Schmerz, Trauer, Hoffnung und Humor. Es ist Geist gewordene Materie. Das berührt.“

 

Quelle: Dr. Günther Weise, Laudatio Ausstellungseröffnung, Schloss Klippenstein, 2006, www.kunst-am-bau-ddr.de
wikipedia: Johannes Peschel und Werner Hempel

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